Warum ich Lost Place-Caches mag: Erholsame Cache-Kurzferien in und um Dresden

„Lost Places“: Orte die verlassen sind oder nicht mehr genutzt werden. Den Begriff „Lost Place“ gibt es im Englischen gar nicht. Er hat sich bei uns aber als pseudoenglisches Wort so etabliert. Korrekt sollte man sagen „abandoned place“. Dafür gibts bei Geocaching.com auch ein eigenes Attribut: 

Vor Jahren schon habe ich „Lost Places“ durchs Geocaching entdeckt und sie faszinieren mich seither. Was ist der Reiz von solchen maroden Orten, an denen meist der Zahn der Zeit nagt? Orte, welche nicht mehr gepflegt aussehen und die eben nicht nur  Geocacher, sondern unter anderem auch Sprayer, Vandalen und Schrottdiebe anziehen, welche die Orte dann meist beschädigt oder verändert  hinterlassen?
Warum suche ich solche Plätze auf, mache mich dabei schmutzig, trage Arbeitshandschuhe und muss dauernd aufpassen, dass ich mich an herumliegenden Scherben, fehlenden Geländern oder abstehenden Stahlträgern nicht verletze? Ich, der es eigentlich gerne ordentlich und sauber hat?
Diese Fragen stellte ich mir – wenn auch nur kurz – als ich kürzlich 4 Tage Kurzurlaub im Grossraum Dresden verbrachte. Schon einmal war ich für eine ganze Woche in der Region und gönnte mir ebenfalls im Herbst eine Woche Lost-Place-Cache-Ferien. Da ich damals schon eine tolle Woche verbrachte und in der Zwischenzeit weitere LP-Caches eröffnet wurden, zog es uns schon seit längerem wieder hier hin.
Die Planung begann schon vor Monaten: Datum fixieren, Zug reservieren, Unterkünfte buchen. Das Ganze vorgegeben durch eine Liste mit wenigen sorgfältig ausgewählten Caches, die wir besuchen wollten. Ein Schreck folgte dabei dem anderen: verschiedene Caches, die wir ganz oben auf der Liste hatten, wurden archiviert. So z.B. 7grad. Mehrmals überarbeiteten wir die Planung, bis es nach langer Vorfreude es los ging. Wir besuchten 2 Lost Place-Caches pro Tag, jeder davon beschäftigte und begeisterte uns während mehreren Stunden. Zwei Stadt-Mikros kamen einfach noch dazu, da wir auf dem Weg ins Restaurant unmittelbar davor standen – einen Umweg hätten wir für diese nicht gemacht.
Aber Cachen ist nicht alles und so gehörte eine wenn auch nur kurzen Besichtigung von Dresden zusammen mit feinen Abendessen nach den intensiven Cache-Tagen auch dazu und weil ja Ferien waren, schlief ich immer auch genug. Die vier Tage waren für mich wieder absolut toll, abenteuerhaft und trotzdem entspannend – den speziellen Lost Place-Caches sei Dank.
Was ist also der Reiz für mich an LostPlace-Caches?
Wie auch sonst bei guten Geocaches, lerne ich Orte und Geschichten kennen, die mir sonst verborgen geblieben wären. Und gerade bei LostPlaces stecken ja immer spannende Geschichten dahinter, gerade auch im ehemaligen Ostdeutschland. Geschichte wird für mich lebendiger wenn ich vor Ort bin. Und die Caches zeigen an, in, um und unter den Gebäuden meist auch Stellen, die man sonst nicht entdeckt hätte. Und solche Orte gibt es bei uns in der Schweiz eben fast keine.
LP-Caches sind oft auch in eine spannende Geschichte eingebettet. Diese zieht sich im Idealfall vom Listing über die Stationen bis zum Final durch. Geschichten in die man Eintauchen kann und die Atmosphäre der Location miteinbeziehen.  An solchen Orten hat ein Owner auch viel mehr Möglichkeit für Verstecke, Installationen und andere Überraschungen. So manche Stage zauberte uns ein Lächeln und „Wow-Effekt“ ins Gesicht. Aber auch Denkfalten, wenn wir unterwegs Aufgaben lösen mussten, die sich wohltuend von irgendwelchen Abzählstationen abhoben.
Die Gefahr die meist von solchen Orten ausgeht und denen man sich bewusst sein muss, zwingen mich zur Konzentration. Der höhere Adrenalin-Spiegel, die Konzentration auf die Geschichte und Aufgaben sowie die Atomsphäre helfen mir, vom Alltag weitgehend abzuschalten – so richtiges Ferien-Feeling eben. Es waren nur vier Tage, aber mir kam es vor, als sei ich eine Woche weg gewesen.
Und hier – trotz der Begeisterung – noch wichtige Hinweise aus meiner Sicht:
  • Lost Places bergen meist Gefahren, die deutlich höher sind als bei den meisten anderen Caches. Zudem übernimmt man selber die Verantwortung und kann nicht jemanden anderes dafür verantwortlich machen, wenn etwas passiert. Darum gehören für mich auch Kinder nicht an solche Orte.
  • Ich weiss, dass ich oft „overdressed“ bin, aber ich war schon mehrmals froh, trug ich Arbeitshandschuhe, Schuhe mit festen Sohlen und  manchmal auch einen Helm. Auch als Brillenträger ist man eher davor geschützt, dass „etwas ins Auge“ geht. Darum gehe ich auch nicht alleine auf Lost Places und Aussenstehende wissen, wo ich wann etwa bin.
  • Alle oder keiner: Wenn jemand bei uns im Team sein Veto einlegt, wird abgebrochen, nicht weiter gesucht – ohne Diskussion. Sicherheit ist oberstes Gebot.
  • Bei Lost Places gilt dasselbe wie auch an anderen vergleichbaren Orten:
    Take nothing but pictures, leave nothing but footprints
    Frei übersetzt: Nimm nichts mit außer Fotos und hinterlasse nichts außer Fußabdrücken. So einfach und trotzdem gibt es auch unter Geocachern solche, die das anderes sehen, sich entsprechend verhalten und damit Caches und unsere Community in Verruf bringen.
  • Es gibt noch weitere, auch rechtliche Aspekte. Wer sich dafür interessiert wird im Web fündig und auch in den Cache-Listings findet man die meist entsprechenden Infos.

Ich bedanke mich an dieser Stelle besonders einmal auch bei allen umsichtigen LP-Cache-Ownern, die uns solche Erlebnisse ermöglichen.

Unten einige wenige Fotos von mehreren hundert, welche in unserem Kurzurlaub entstanden sind.

3 Responses to Warum ich Lost Place-Caches mag: Erholsame Cache-Kurzferien in und um Dresden

  1. Oelfinger sagt:

    Mit Spannung habe ich die Bilder hier begutachtet und so manches Bild kam mir irgendwie bekannt vor und hat mich an unsere mega tolle LP-Cacherferien im Frühling erinnert die ich mit Bruchpilot60 und Tuxracer erleben durfte.
    Auch wir haben im Team mega Freude an solchen Locations und wissen auch wie wichtig es ist, sich auf solchen „Spielplätzen“ richtig zu verhalten. Für mich ist es immer auch ein Eintauchen in eine frühere Zeit, zu fühlen wie es auf diesem LP einmal war und was für Szenen sich hier wohl abgespielt haben. Das ganze dann noch mit vielen vielen Fotos zu dokumentieren gehört bei uns zum Standart, aber gibt auch sehr viel Arbeit, die aber sehr Spass macht da man sich immer wieder in die Situationen und Abenteuer einfühlen kann.
    Herzlichen Dank Paravan für diese tollen Eindrücke und den Bericht. Ich habe übrigens in meinen Herbstferien am Sandstrand noch die beiden letzten Podcasts in Ruhe und Entspannung gehört und dabei manchmal geschmunzelt.
    Vielen Dank für deine Super Arbeit mit diesen Podcasts und deine Arbeit zum Wohl vieler Cacher und für unser so geliebtes Hobby…..es lebe Geocaching und natürlich LP!
    Gruess und DANKE, Oelfinger

  2. Sandra sagt:

    Hallo ihr Lieben,

    Habt ihr zufällig bei eurer Erkundung der Dresdner Umgebung einen geeigneten Fotoplatz für ein Auto gesichtet, die Location von Foto 13 is Mega, ich liebe solche Hallen, dort kam man nichts zufällig mit einem Auto ran oder rein?

    Ganz liebe Grüße
    Sandra

    • Paravan sagt:

      Hallo Sandra
      Nein der Lostplace den Du erwähnst ist/war nicht mit dem Auto erreichbar, man kann nur etwas davor parkieren. Meines Wissens ist aber die Location inzwischen nicht mehr zugänglich, d.h. wurde 2013 abgerissen.

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